Ein schönes Beispiel, wie Leichte Sprache eingesetzt werden kann, ist eine Fußballfibel, die das Bremer Übersetzungsbüro gemeinsam mit Werder Bremen produziert hat. Das Heft will das Spiel auch Menschen mit Leseproblemen erklären (Ein Spieler ist im Straf-Raum vom Gegner. Ein Spieler vom Gegner foult ihn. Dann gibt es einen Elf-Meter.) . Dabei stellt sich aber ein wahrscheinlich typischer Leichte-Sprache-Effekt ein. Auch wer bislang keine Leseschwierigkeiten kannte, denkt plötzlich: Warum nicht gleich so? Warum nicht für alle so? Warum werden Gebrauchsanweisungen und Vordrucke beim Finanzamt nicht grundsätzlich übersetzt? Jedenfalls schafft die Fußballfibel es locker, selbst dem Unkundigen endlich die Abseitsregel zu erklären.
Als der Deutschlandfunk zum ersten Mal seine Leichtnachrichten ins Netz stellte, war die erste Reaktion der Facebook-Eintrag "Deutschlandfunk für Deppen?". Es stellte sich später heraus, dass viele Leser ohne Leseprobleme Leichte Sprache für zu reduziert, primitiv oder manipulativ hielten. Das Fehlen von Zwischentönen und beruhigenden Relativierungen machte offenbar Angst.
Und natürlich geht bei jeder Übersetzung etwas verloren. Ironie und Satire fallen Elisabeth Otto als Erstes ein – schon unter Normalbedingungen schwer zu erkennen oder gar zu verstehen, scheinen sie für Menschen mit Leseschwierigkeiten eine unzumutbare Hürde zu sein. Auch eine bilderreiche Ausdrucksweise verliert viel an Subtilität, wenn sie erleichtert wird. Begriffe wie Rabeneltern werden eben allzu leicht missverstanden als "Eltern von Rabenküken" – also verzichtet man kurzerhand darauf.
Auf den Informationsgehalt reduziert, gewinnt jeder Hartz-IV-Antrag an Verständlichkeit. Doch die Weihnachtsgeschichte verliert einiges an Zauber, wenn Mariä Verkündigung so beschrieben wird:
Engel Gabriel sagt:
Maria, du bekommst bald ein Kind.
Maria wundert sich. Sie fragt:
Wie kann ich ein Kind bekommen?
Ich schlafe doch nicht mit Josef?
Gabriel antwortet;
Das Kind ist nicht von Josef.
Das Kind ist von Gott.
Für Lesegeübte ist solch eine Bibelfassung möglicherweise ein Schock. Für Menschen, die normalerweise erst gar nicht hinsehen, wenn sie auf etwas Gedrucktes stoßen, kann Leichte Sprache dagegen eine Erleuchtung sein. Die skeptischen Diskurse der Sprachbewahrer müssen ihnen wie schiere Luxusprobleme erscheinen.
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